Was uns KI über Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Risiko lehren kann

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Die wichtigsten Informationen in Kürze

  • Beim Problem beginnen, nicht bei der Technologie.
  • Fortschritte bei der Nachhaltigkeit erfordern Denken in Systemen, nicht isolierte Kennzahlen.
  • Menschliche Urteilsfähigkeit bleibt entscheidend für den verantwortungsvollen Einsatz von KI.

Ein von Dematic veranstalteter Innovation Roundtable zeigt, wo KI Nachhaltigkeits- und Kreislaufwirtschaftsziele unterstützen kann und warum menschliches Urteilsvermögen, Aufsicht und Verantwortlichkeit unverzichtbar bleiben.

KI kann bessere Entscheidungen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft unterstützen, aber nur, wenn Unternehmen klar definiert haben, welches Problem sie lösen wollen. Diese Botschaft stand im Mittelpunkt eines von Dematic veranstalteten Innovation Roundtable zum Thema Innovation & AI for Sustainability & Circularity mit Geertrui Mieke De Ketelaere.

De Ketelaere ist eine anerkannte Expertin für nachhaltige, ethische und vertrauenswürdige KI. Als Adjunct Professor an der Vlerick Business School arbeitet sie eng mit Unternehmen zusammen, die KI einführen möchten, oft jedoch noch keine klaren Ziele festgelegt haben. Ob Hype, Wettbewerbsdruck oder die Sorge, den Anschluss zu verlieren: Viele Unternehmen gehen zu schnell in die Umsetzung, ohne zunächst die konkrete Herausforderung in den Bereichen Nachhaltigkeit oder Kreislaufwirtschaft zu definieren, die sie adressieren wollen.

„KI kann Mehrwert schaffen, aber am Anfang müssen klare Ziele stehen“, erklärt De Ketelaere. „Wie weit man geht, hängt von der Branche, dem Prozess und dem jeweiligen Reifegrad ab.“

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Nachhaltigkeitsinitiativen zielen in der Regel darauf ab, die Umweltauswirkungen über alle Abläufe hinweg zu reduzieren. Kreislaufwirtschaft hingegen verfolgt das Ziel, die Lebensdauer von Produkten und Materialien zu verlängern und Abfälle zu minimieren. In beiden Fällen kann KI einen Beitrag leisten, allerdings nur bei einem gezielten Einsatz und mit einem klaren Verständnis davon, wie Erfolg tatsächlich definiert wird.

Sinnvolle KI von überzogenen Erwartungen trennen

Die Diskussion machte auch eine grundsätzliche Herausforderung deutlich, mit der viele Unternehmen heute konfrontiert sind: sinnvolle KI-Anwendungen von überzogenen Erwartungen zu trennen. De Ketelaere betonte, dass Governance, operative Reife und menschliche Aufsicht entscheidend sind, um diese Unterscheidung treffen zu können.

Ohne diese Grundlagen können selbst gut gemeinte KI-Initiativen zu fragwürdigen Nachhaltigkeitsaussagen führen. Fortschritte zu eng zu messen, etwa allein anhand von weniger Abfall oder höherem Durchsatz, ist kein verlässlicher Beleg für tatsächliche oder langfristige Wirkung, wenn breitere betriebliche, ökologische und wirtschaftliche Effekte unberücksichtigt bleiben.

„Lassen Sie sich nicht allein von Zahlen oder Statistiken blenden“, warnt De Ketelaere. Unternehmen müssen ihren eigenen Reifegrad und ihren Kontext verstehen, bevor sie belastbare Rückschlüsse auf den Erfolg ziehen.

Diese Perspektive passt gut zu Dematics grundsätzlichem Verständnis von Automatisierung und intelligenten Lösungen: Leistung und Nachhaltigkeit werden nicht an einem einzelnen Zeitpunkt bewertet, sondern über den gesamten Lebenszyklus eines Betriebs.

Die Grundlage für eine sinnvolle KI schaffen

Viele Unternehmen wünschen sich KI, die ihre Nachhaltigkeitsziele unterstützt. Einige beginnen jedoch am falschen Punkt. Sie starten mit der Technologie, gehen schnell zur Umsetzung über und fragen erst später, welches betriebliche, ökologische oder kreislaufwirtschaftliche Problem sie eigentlich lösen wollen.

„Aufgrund des großen Hypes gehen manche Unternehmen die Sache etwas zu überstürzt an“, sagt De Ketelaere. „Zunächst muss man sich wirklich fragen: Was wollen Sie erreichen?“

Diese Frage ist entscheidend, denn KI kann keine unklaren Ziele, unzureichenden Daten oder unausgereiften Prozesse ausgleichen. Sie kann Unternehmen dabei helfen, Muster zu erkennen und bessere Entscheidungen zu unterstützen, aber nur, wenn die grundlegenden Voraussetzungen stimmen. Möchte ein Unternehmen ein KI-System mit eigenen Betriebsdaten trainieren, müssen diese Daten korrekt, vollständig und aussagekräftig sein.

Mit der Bereitschaft beginnen, nicht mit dem Zeitdruck

De Ketelaere warnt außerdem davor, KI als Abkürzung auf dem Weg zu einem höheren Automatisierungsgrad zu betrachten. Unternehmen, die noch kein solides Verständnis für regelbasierte Automatisierung entwickelt haben, könnten Schwierigkeiten bekommen, wenn sie direkt auf KI setzen.

Automatisierung führt programmierte Regeln jedes Mal auf die gleiche Weise aus. KI kann auf dieser Grundlage aufbauen, ersetzt jedoch nicht das notwendige Verständnis von Prozessen, Daten und Teams.

Auch Governance schafft einen wichtigen Prüfpunkt vor der Implementierung. Viele Unternehmen führen zunächst eine Technologie ein und beschäftigen sich erst später mit Sicherheit, Governance und Datenzugriff. KI verändert diese Reihenfolge, da Daten das Unternehmen verlassen können, Teams möglicherweise Zugriff auf Informationen erhalten, die sie nicht sehen sollten, und Systeme Entscheidungen auf eine Weise beeinflussen können, die das Unternehmen nicht vollständig versteht.

„Bei KI müssen Unternehmen die Spielregeln neu überdenken und Governance sowie Sicherheit von Anfang an berücksichtigen“, sagt sie.

Das bedeutet, vor der Implementierung anspruchsvollere Fragen zu stellen: Wer darf auf die Daten zugreifen? Wohin werden die Daten übertragen? Wie werden die Teams die Ergebnisse nutzen? Welche Entscheidungen soll das System unterstützen? An welcher Stelle bleibt menschliche Aufsicht erforderlich?

Für Dematic bestätigt diese Diskussion einen wichtigen praktischen Grundsatz: Verlässliche Entscheidungen über Automatisierung beginnen mit Verständnis. KI kann Mehrwert schaffen, aber nur, wenn Unternehmen das Ziel definieren, die bestehenden Grundlagen bewerten und prüfen, ob KI tatsächlich das richtige Werkzeug für die jeweilige Aufgabe ist.

Was bei KI-gestützter Nachhaltigkeit wirklich zählt

Eine niedrigere Abfallquote, ein höherer Durchsatz oder bessere Qualitätswerte können eine KI-Initiative erfolgreich erscheinen lassen. Wenn Unternehmen KI zur Unterstützung ihrer Nachhaltigkeitsziele einsetzen, müssen sie jedoch verstehen, was diese Kennzahlen tatsächlich aussagen und was sie nicht belegen.

De Ketelaere warnte außerdem davor, Fortschritte bei der Nachhaltigkeit zu eng zu messen. Eine Verringerung des Abfalls oder eine höhere Leistung machen eine KI-Initiative nicht automatisch erfolgreich, wenn das Unternehmen die umfassenderen betrieblichen und wirtschaftlichen Auswirkungen außer Acht lässt.

„Unternehmen sollten sich nicht von Zahlen und Statistiken blenden lassen“, mahnt De Ketelaere. „Zunächst müssen sie ihren eigenen Reifegrad verstehen.“

Deshalb sollten Unternehmen über die stärkste Kennzahl im Bericht hinausblicken. Ein System kann beispielsweise Abfall reduzieren, die Qualität verbessern oder Teams bei einer effektiveren Wartungsplanung unterstützen. Diese Fortschritte müssen jedoch immer im Verhältnis zu den gesamten betrieblichen Auswirkungen betrachtet werden. Dazu gehören unter anderem die Auswirkungen auf Sensoren, Dateninfrastruktur, Energieverbrauch, Mitarbeiterschulungen, Prozessänderungen und die Menschen, die den Betrieb steuern.

Laborergebnisse nicht mit dem Praxiseinsatz verwechseln

De Ketelaere zufolge lassen sich Führungskräfte leicht von Ergebnissen begeistern, die sie in einem Labor oder einer kontrollierten Demonstration sehen. Die Technologie kann dort genau wie vorgestellt funktionieren. Ihre Einführung in einen laufenden Betrieb erfordert jedoch häufig mehr Zeit, Investitionen und Veränderungsmanagement, als viele Unternehmen erwarten.

Dieser Unterschied ist wichtig, wenn Unternehmen frühe Ergebnisse oder begrenzte Vergleichswerte zur Untermauerung von Nachhaltigkeitsaussagen heranziehen. Ein KI-Projekt kann einen Teil des Betriebs verbessern. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es im gesamten Unternehmen glaubwürdige Fortschritte bei der Nachhaltigkeit erzielt hat.

Das Gleiche gilt für die Ergebnisse von KI-Systemen. De Ketelaere weist darauf hin, dass KI-Systeme bei ihren Empfehlungen häufig ein bestimmtes Maß an Sicherheit angeben. Menschen schenken diesem Wert jedoch nicht immer ausreichend Aufmerksamkeit. Ein System kann zwar eine Antwort liefern, doch die für den Betrieb verantwortlichen Teams müssen weiterhin verstehen, wie zuverlässig diese Antwort ist, bevor sie darauf basierend handeln.

Kreislaufwirtschaft in die KI-Diskussion integrieren

Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab, Produkte, Teile und Materialien länger im Einsatz zu halten. Deshalb müssen Unternehmen bereits früh über Design, Materialien und Rückgewinnung nachdenken. Es geht darum, wie Materialien ausgewählt und Produkte hergestellt werden, wie lange sie nutzbar bleiben und wie sie wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden können, statt zu Abfall zu werden.

De Ketelaere nannte einen häufigen Grund, warum Unternehmen Chancen verpassen: Sie verwenden immer wieder dieselben Materialien, Designs und Prozesse. „Manchmal tun wir Dinge einfach deshalb, weil wir sie schon immer so gemacht haben“, sagt De Ketelaere.

KI kann bei frühen Designentscheidungen unterstützen, indem sie Ingenieurinnen und Ingenieuren hilft, alternative Materialien, Komponenten oder Produktansätze zu prüfen. Diese können einen längeren Lebenszyklus oder eine einfachere Rückgewinnung am Ende der Nutzungsdauer ermöglichen. Welche Lösung funktioniert, entscheiden weiterhin die Fachleute. KI kann jedoch zusätzliche Optionen aufzeigen und neue Perspektiven in den Entscheidungsprozess einbringen.

KI ist kein Ersatz für menschliche Verantwortung

KI kann entlang des gesamten Lebenszyklus der Kreislaufwirtschaft Mehrwert schaffen. De Ketelaere warnt jedoch davor, die Technologie als Ersatz für menschliche Verantwortung zu betrachten. Ein System kann alternative Materialien vorschlagen, Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen oder Komponenten identifizieren. Die Menschen müssen jedoch entscheiden, was diese Ergebnisse bedeuten und ob sie zu den Nachhaltigkeitszielen des Unternehmens passen.

Indem Dematic externe Expertise in die Diskussion einbringt, unterstützt das Unternehmen andere Unternehmen dabei, KI aus der Perspektive von Betrieb, Automatisierung und langfristiger Entscheidungsfindung zu betrachten. All das gehört zu jeder erfolgreichen, technologiegestützten Nachhaltigkeitsinitiative.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit bei Dematic

Nachhaltigkeit bei Dematic ist ein Bekenntnis zu positiven Ergebnissen für Menschen, Umwelt und Produkte. Bei jeder Entscheidung, sei es im Umgang mit unseren Mitarbeitenden, unseren Partnern oder unseren Kunden, ist es unser Ziel, verantwortungsvoll zu handeln und die bestmöglichen Lösungen zu schaffen.

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